CLAUS FENTZLOFF

50 Jahre Schutz und Hilfe für bedrohte Tiere




Der Eulenvater turnt durchs Kirchturmgebälk. Wieviel Treppenstufen Claus Fentzloff, Vertrauensmann für Naturschutz und Beringer der Vogelwarte Radolfzell, in den letzten Monaten gestiegen ist, das weiß er auch nicht annähernd mehr zu schätzen. Ungefähr 60 Kirchtürme hat er jedenfalls bestiegen und hat junge Schleiereulen beringt“, schrieb die STUTTGARTER ZEITUNG am 23.September 1954.
In der HEILBRONNER STIMME war wenig später zu lesen: „ Auf Kamerajagd im Schwäbischen Wald. Die VHS Außenstelle erfreute die zahlreichen Hörer mit einem ausgezeichneten Abend. Der Vortrag war mehr als eine Führung ins Reich der Tierwelt: es war ein Erlebnis !

Seit 50 Jahren versucht Claus Fentzloff nun schon Tieren zu helfen. Bereits 1953 stieg er auf Kirchendächern in die Storchennester, um sie zu erneuern oder zu reparieren. In Erligheim, Pleidelsheim und Wilsbach brüteten damals noch die letzten Störche der Region. Die weiteren Hilfen zu damaliger Zeit waren die Pflege kleiner, zu spät geborener Igel, die Rettung von Schlangengelegen, die beim Abfahren der Spreuberge hinter der Dreschscheuer freigelegt wurden und nicht zuletzt die Beringung von Schleiereulen zur Erforschung der Ausbreitung für die Vogelwarte Radolfzell.

Als Naturschutzwart im Kreis Ludwigsburg setzte er sich seit 1954 ein, um das Roden von Hecken und das Abrennen der Böschungen zu verhindern. Denn dabei kamen viele Vogelbruten ums Leben und viele Kleintiere verkohlten im Feuer. In warmen Regennächten im März trug er am Neckar Kröten über die Straße, um sie bei der Wanderung zu ihren Laichtümpeln vor dem Überfahren zu retten.

Die Naturschutzarbeit an den Schulen folgte, gefördert vom Kultus-Ministerium und der Landesbildstelle Stuttgart. Mit Dia-Vorträgen, Farb-filmen und ersten Tier-stimmen auf Tonband bereits 1956, setzte sich Claus Fentzloff vornehmlich für die „Gefürchteten und Verfolgten“ ein: u.a. für Schlangen, Spinnen, Eulen und Federmäuse.
Er versuchte aufzuräumen mit der Furcht vor Schlangen und Spinnen, widerlegte mit plausibler Erklärung den Aberglauben: „Wenn´s Käuzle schreit, dann stirbt jemand !“
Er prangerte an, daß noch in den 60er Jahren Fledermäuse lebendig an Scheunentore genagelt wurden, um die bösen Geister fernzuhalten.
Für viele heute noch unvergesslich sein Farbfilm „Von den Bergen ins Neckartal“

. Vor über 40 Jahren, im Mai 1961, gründete der Ornithologe Claus Fentzloff die Burgfalknerei Hohenbeilstein als Notaufnahme- und Pflegestation für verletzte oder aus dem Nest gefallene Vögel. Es war die erste und ist älteste Auffangstation für Greifvögel und Eulen im Lande.

Aufgrund der Vortragstätigkeit an Schulen und Volkshochschulen wurden ihm seit 1956 viele verunglückte Greifvögel gebracht, bei denen Flügelbrüche genagelt, Beinbrüche geschient oder eingegipst werden mussten. Auch Eulen, die nachts, geblendet vom Scheinwerferlicht, an Autos prallten und Gehirnerschütterungen erlitten, wurden versorgt. Alle diese Schützlinge erhielten nach ihrer Genesung wieder die Freiheit. Dauerpfleglinge wurden zur Zucht eingesetzt.

1970 fand mit über 100 Adlern, Geiern & CO. der Umzug auf die Burg Guttenberg eine weltweite Resonanz. Fernsehsender in Europa, Südafrika, Australien und Amerika strahlten Berichte darüber aus. Die erste private Zucht- und Forschungsstation für Greifvögel und Eulen in Europa war gegründet.

Ab 1972 erhielt Claus Fentzloff Seeadler aus den Zoos in Frankfurt (Prof. Grzimek), Hannover (Prof. Dittrich) und aus der Wilhelma in Stuttgart (Prof. Neugebaur). Er wurde gebeten mit Europäischen Seeadlern, Haliaeetus albicilla, die in diesen Tiergärten zum Teil schon bis zu 20 Jahre ohne Nachwuchs gelebt hatten, die Zucht zu versuchen.
Bereits 1975 schlüpften die beiden ersten Jungadler aus, die noch im gleichen Jahr in Schleswig-Holstein zur Adoption in Wildhorste eingesetzt wurden. Die erste erfolgreiche Brut gleich für die Erhaltung des Naturbestandes zu stiften, war kein leichter Schritt. Es war das Pilotprojekt für die Erhaltung des Seeadlers in Europa.

Inzwischen konnten 36 Greifvogel- und Eulenarten in der DEUTSCHEN GREIFENWARTE gezüchtet werden. 90 Adler und 25 Geier schlüpften, von denen 37 junge Seeadler kostenlos für Naturschutzprojekte in Europa gestiftet wurden.
Von den freigelassenen Seeadlern aus der DEUTSCHEN GREIFENWARTE fliegen nach neuesten Zahlen in Europa bereits 400 Nachkommen in der 2. und 3. Generation.

Dies alles aber wurde aus eigener Tasche finanziert, bisher ohne Subventionen von Bund oder Ländern
Mit einem Aufwand von 61.600,-- Euro entstand von Februar bis April 2004 die neue Aufnahme- und Pflegestation, denn wegen der Sanierung der alten Burgmauer mußte die noch intakte Anlage abgerissen werden. Erstmals wurde dafür ein staatlicher Zuschuß von 10% zugesagt. Für Besucher ist diese Station allerdings nicht zugänglich. Verletzte Tiere oder hilfsbedürftige Jungvögel brauchen neben der Pflege vor allem Ruhe.
Die Neugestaltung des Geierhofes, in dem die Besucher ein Dutzend Geier in einer Wüstenlandschaft zwischen bleichen Knochen bewundern können und neue wissenswerte Informationen in Vitrinen und auf Schautafeln, vervollständigen die Ausstellungen in den Wehr- und Zwingeranlagen rings um die Burg.

Bei den Flugvorführungen der DEUTSCHEN GREIFENWARTE rauschen nach wie vor die Schwingen. Uhus gleiten lautlos dicht über die Köpfe der Besucher, mächtige Adler brausen im Sturzflug herab, Geier kreisen schwerelos über dem von Burgen umrahmten schönen Neckartal. Mit packenden und interes-santen Schilderungen erzählen Claus & Bettina Fentzloff von ihrer Arbeit mit den faszinierenden Tieren, berichten aus 40 Jahren Zucht und Forschung und von Expeditionen in alle Erdteile auf der Suche nach den Adlern der 7 Meere.
Bei diesen Flugvorführungen kommen täglich um 11.00 und 15.00 Uhr, 25 Adler, Geier & Co abwechselnd zum Einsatz. Sie fliegen bei jedem Wetter!
Ein solches Flugteam ist weltweit einmalig. Diese Flugvorführungen dienen jedoch auch der Paarbildung für die Zucht, der Vorbereitung zur Freilassung gezüchteter Jungvögel und der Finanzierung der vielfältigen Aufgaben im internationalen Artenschutz.
1953 Auf dem Dach der Kirche von Pleidelsheim am Neckar. Die Reparatur eines Storchennestes.
1954 Claus Fentzloff wirbt mit zwei Kreuzottern auf der Hand für gefürchtete und verfolgte Tiere.
1954 Schleiereulen- Beringung für die Vogelwarte Radolfzell zur Erforschung des Vogelzuges.
1961 erste erfolgreiche Zucht von Uhus. Zahllose Greife und Eulen wurden seither ausgewildert.
2004 wurde die Aufnahme- und Pflege-station für verletzte Greifvögel und Eulen an der Burgmauer der Burg Guttenberg komplett erneuert. Für verlassene Gelege stehen Brutmaschinen in Bad Wimpfen und für die Zucht und das Auswilderung-Training mehrere Großvolieren und Eulenkammern zur Verfügung.
2004 Claus & Bettina Fentzloff bei der Flugvorführung mit Weißkopf-Seeadler und afrikanischem Schrei-Seeadler auf der Flugterrasse der DEUTSCHEN GREIFENWARTE